Die Diskussion über das vorherrschende Verständnis von wissenschaftlicher Exzellenz ist in den letzten Monaten auffallend in Bewegung geraten.
Wenn Sie diese Information nicht lesen können, klicken Sie bitte hier.
Logo
Wissenschaftskultur in Bewegung | Newsletter Oktober
8505FCC4-BD3B-E1BA-01DA57160BCE4EAF.PNG
«Dies ist eine Geschichte anhaltender Exzellenz», erzählt uns ein Schweizer Uhrenhersteller bei Tennisturnieren jeweils im Fernsehen, während Roger Federer irgendwo auf der Welt über einen Tenniscourt schwebt. In der akademischen Welt hingegen gerät das traditionelle Verständnis von Exzellenz mitunter ins Abseits. Verschiedene Akteure, vorwiegend aus den nachrückenden Generationen, forderten in den letzten Monaten mit Nachdruck eine andere Geschichte und eine neue Kultur in der Wissenschaft. Nachhaltig und offen soll sie sein, Hierarchien flach halten, Quantitäten reduzieren und sich Zeit nehmen für Reflexion.
 
Hier eine selektive Auswahl von einigen neueren Initiativen aus der Schweiz (in chronologisch absteigender Reihenfolge):
 
 
  • Anfang Oktober lancierte eine Gruppe von Schweizerischen Mittelbauorganisationen eine Petition an die Bundesversammlung, in der sie eine Diversifizierung der akademischen Karrierewege und «die vermehrte Schaffung von festen Stellen für Forschende und Lehrende nach dem Doktorat» fordert. Die Petition basiert massgeblich auch auf dem Bericht «Next Generation: Für eine wirksame Nachwuchsförderung», den die SAGW 2018 publiziert hatte.
 
  • Im September trat die Initiative «Better Science», lanciert von der Arbeitsgruppe «Kritischer Exzellenzdiskurs» an der Universität Bern, an die Öffentlichkeit. Sie möchte einer internationalen Bewegung, die anderswo unter Begriffen wie «Slow Science» bekannt ist, in der Schweiz ein Gesicht verleihen und fordert die akademische Welt zu einem Umdenken auf in Richtung mehr Nachhaltigkeit, Diversität und Chancengleichheit. 
Weiterlesen
Inhalt
arrow     Rolle und Verantwortung des Nachhaltigen Staats
arrow     «Décodage»– der SAGW-Blog neu lanciert
arrow     «Archäologische Funde wachsen nicht nach»
arrow     Horizon Europe 2021–27: Europäisches Parlament gegen Kürzungen
arrow     Wissenschaftliches Potenzial für Krisenzeiten nutzen
arrow     Allmachtsfantasien in der Medizin
arrow     Wie gelangt Geschichte an ein grösseres Publikum?
arrow     Agenda
arrow     Publikationen
Rolle und Verantwortung des Nachhaltigen Staats
Das nächste SAGW-Bulletin erscheint im November.
Finden Sie, dass sich die Politik nicht nur in Krisenzeiten auf wissenschaftliches Potenzial abstützen soll? Zweifeln Sie an der demokratischen Legitimität von Science Task Forces? Denken Sie, es gibt einen spezifisch «helvetischen» Weg zur Nachhaltigkeit? Und sollten europäische Staaten von Ländern wie China oder Indien lernen, um für eine nachhaltigere Zukunft gerüstet zu sein? 
Das thematische Dossier des nächsten SAGW-Bulletins befasst sich mit der Rolle und der Verantwortung des Staats im Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit. Die Autorinnen und Autoren im thematischen Dossier des nächsten Bulletins reflektieren, sezieren, systematisieren den «nachhaltigen Staat» aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Das Bulletin erscheint in der zweiten Novemberhälfte und kann hier kostenlos abonniert werden.
arrow    Zum SAGW-Bulletin
30DA3483-AFD7-558E-B3024E032471EBEF.jpg
«Décodage»– der SAGW-Blog neu lanciert
Ist Abrüstung noch ein realistisches geopolitisches Ziel? Welche verführerischen Narrative machen Verschwörungstheorien so unwiderstehlich? Was sagt der Tierethiker zum Kontinuum von industrieller Massenproduktion bis Anti-Speziesismus? Und die Theologin zum politischen Positionsbezug durch Staatskirchen?
Alles Fragen, die sich mitten im gesellschaftlichen, politischen Aushandlungsprozess befinden – und zu denen die Geistes- und Sozialwissenschaften viel zu sagen haben. Ihren Vertreterinnen und Vertretern möchte der SAGW-Blog «Décodage» eine Plattform sein: aus fachlicher Perspektive, aber durchaus unfertig und mit Meinung. Kurz: ein reflexives Journal des Zeitgeschehens.
8CDCAC30-DBC2-5F4D-6362A271C9C7D766.jpg
arrow    Zum SAGW-Blog
«Archäologische Funde wachsen nicht nach»
Interview mit dem Archäologen und Numismatiker Markus Peter
Im September wurde Markus Peter zum 48. Ehrenmitglied der SAGW gewählt. Im Interview spricht er über die Faszination der Münzkunde, archäologische Raubgrabungen und die Entwicklung der Numismatik als wissenschaftliche Disziplin in den letzten Jahrzehnten.
85C047DF-C441-F5A7-B6B181DC9C5C3919.png
arrow    Zum Interview
Horizon Europe 2021–27: Europäisches Parlament gegen Kürzungen
Wie viel Forschungsförderung will die EU? Nachdem der Europäische Rat den Budgetvoranschlag der Kommission (94.4 Milliarden Euro) für Horizon Europe 2021–2027 auf 80.9 Milliarden Euro reduziert hat, wehrt sich das Europäische Parlament gegen die Kürzungen. Mit dem reduzierten Budget würde die EU punkto Innovationskraft noch weiter hinter China und die USA zurückfallen, befürchtet beispielsweise Horizon Europe-Rapporteur und Parlamentsmitglied Christian Ehler (Statement vom 19.10.20).
Gleichzeitig konkretisiert die EASSH ihre Forderung nach einer verstärkten Förderung der Geistes- und Sozialwissenschaften in der neuen Budgetperiode. Sie begründet dies durch eine Analyse von Horizon 2020: Förderungsanträge im Cluster «Inclusive, reflective and innovative societies» (SC6) hätten eine Erfolgsquote von nur 5.4 Prozent, im Vergleich zum Durchschnitt von 11 Prozent über alle Cluster hinweg. Dies sei Symptom einer klaren Unterfinanzierung, argumentiert die EASSH. Daraus resultiere, dass hervorragende Projekte von der Förderung ausgeschlossen würden. Die Pläne für Horizon Europe 2021–27 zeigten keine Korrektur dieser Situation.
arrow    Mehr
Wissenschaftliches Potenzial für Krisenzeiten nutzen
Ständerätliches Postulat fordert ein interdisziplinäres Netzwerk
«Der Bundesrat wird beauftragt, in einem Bericht zu prüfen, wie ein interdisziplinäres wissenschaftliches Netzwerk oder Kompetenzzentrum für Krisenlagen geschaffen werden kann.» Dies forderte FDP-Ständerat Matthias Michel (Zug) im Mai in einem Postulat an den Bundesrat. Um das Potenzial der Schweizer Forschungslandschaft «voll auszunutzen, sollte dieses in seiner ganzen Breite eingebunden werden», heisst es darin weiter. Es gehe schliesslich um mehr als Gesundheitsfragen, nämlich um wissenschaftliche Grundlagen für Entscheide in den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Staat.
Es sei auch wichtig, so Michel in der Debatte im Ständerat, dass grundsätzlich geklärt werde, welche Rolle Forscherinnen und Forscher «während einer Krise spielen sollen und wie der Austausch zwischen Forschenden und Entscheidungsträgern und -trägerinnen funktionieren soll». Der Ständerat nahm das Postulat in seiner Herbstsession mit 18 zu 17 Stimmen an und überwies es an den Bundesrat. Dieser hatte den Vorstoss im August zur Ablehnung empfohlen.
30FAE0F1-0D1B-1FCC-308A7F2100519408.png
Allmachtsfantasien in der Medizin
Follow-up zur Tagung «Macht und Ohnmacht der Medizin» ist online.
Mit dem Aufstieg der modernen Medizin gingen eine Tabuisierung des Gebrechlichen und des Todes einher: Es verbreitete sich das Gefühl einer allmächtigen technischen Medizin. Dieses Allmachtgefühl wird heute herausgefordert: durch die Alterung der Gesellschaft oder durch die steigenden Gesundheitskosten. Die Tagung «Macht und Ohnmacht der Medizin» befasste sich mit diesen Herausforderungen. Impressionen, Statements, Präsentationen und alle Beiträge im Video sind auf der Website der SAGW publiziert.
arrow    Zum Follow-up
31603C6D-97AE-EE8A-3D74B932E97A050B.png
Wie gelangt Geschichte an ein grösseres Publikum?
Die 12. infoclio.ch-Tagung befasst sich mit Kulturvermittlung in den Geschichtswissenschaften.
Die jüngsten Kontroversen über die Darstellung von Geschichte im öffentlichen Raum zeigen, wie gross die Bedeutung der Zivilgesellschaft ist, wenn es darum geht, unser Verhältnis zur Vergangenheit auszugestalten. Wie gelangt Geschichte an ein grösseres Publikum? Wie spielen die Forschung, Kulturinstitutionen und Öffentlichkeit bei dieser Vermittlung zusammen? Die Tagung findet online statt und experimentiert mit verschiedenen Formen der digitalen Vermittlung. Ein Teil der Inhalte wird ab dem 10. November 2020 verfügbar sein, eine virtuelle Live-Diskussion findet am 13. November von 10.00 bis 12.00 Uhr statt.
arrow    Zur Tagung
Agenda
Veranstaltungen im November
05.11.2020
18.15–20.00 Uhr
Online
Public Roundtable «Shared memories of equality movements – an intergenerational dialogue»
Schweizerische Gesellschaft für Geschlechterforschung SGGF
           
13.11.2020
10.00–12.00 Uhr
Online
Tagung «Kulturvermittlung und Geschichtswissenschaften»
infoclio.ch
 
19.11.2020
08.30–17.00 Uhr
Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, Zürich
«Berufsfeld Geisteswissenschaften»
Reihe «Wissensorte» in der Serie «La Suisse existe – La Suisse n’existe pas»
SIK-ISEA, Ringier AG, Zürich, Landesmuseum Zürich
 
20./21.11.2020
09.00–17.45/09.00–17.00 Uhr
Online
Conference «Critical Gender and Diversity Knowledge. Challenges and Prospects»
Think Tank Gender & Diversity
 
25.11.2020
14.00–17.00 Uhr/19.00–20.30 Uhr
Kunstmuseum Basel
Workshop/Expertenroundtable «Wissensort Museum»
Reihe «Wissensorte» in der Serie «La Suisse existe – La Suisse n’existe pas»
VKKS-ASHHA, SIK-ISEA, Kunstmuseum Basel
 
25.11.2020
16.00–18.00 Uhr
Online
Schweizer Plattform BIldung
Schweizerische Unesco-Kommission, Akademien der Wissenschaften Schweiz
 
26.11.2020
18.15–20.00 Uhr
Online
«Autoschlüssel wegwerfen und Schnitzelfasten? Über einen besseren Weg, individuelle Verpflichtung für den Klimaschutz zu übernehmen», Referat von Bernward Gesang
Philosophische Gesellschaft Bern
 
27.11.2020
13h30-18h
Vitromusée Romont
«Verre: savoir et tradition artistiques»
Cycle «Lieux de savoir» dans la série «La Suisse existe – La Suisse n’existe pas»
Vitromusée Romont, Vitrocentre Romont, Société Suisse-Asie
Publikationen
3413FEEF-B485-766F-9280C86674E86504.png
Next Generation und Third Space
Schmidlin, Sabina, Eva Bühlmann und Fitore Muharremi (2020): Next Generation und Third Space: neue Karriereprofile im Wissenschaftssystem (Swiss Academies Reports 15,3).
arrow    Download
 
86F1863A-FA38-92EC-22FC89101FE46488.png
SDGs in der Schweiz
Kübli, Beatrice, Lea Berger und Heinz Nauer (2019): Der Beitrag der Geistes- und Sozialwissenschaften zur Umsetzung der SDGs in der Schweiz Die Blogartikelsammlung zur SAGW-Veranstaltungsreihe
arrow    Download
341E2CF8-BB0C-C154-106A05822E3EA239.png
Lebensräume – Lieux de vie
SAGW (2020): Lebensräume – Lieux de vie (SAGW-Bulletin 26,2).
arrow    Download
Schweizerische Akademie der Geistes- und
Sozialwissenschaften (SAGW)
Laupenstrasse 7
Postfach
3001 Bern
Schweiz

Tel:  031 306 92 50
E-Mail: sagw@sagw.ch

www.sagw.ch
Aktuell arrow
Kontakt arrow
Datenschutzerklärung arrow
Twitter     Facebook     Linkedin
Ich möchte meine Daten ändern oder mich vom Newsletter austragen: hier klicken